Wiederaufnahme der Position
Im März 2026 haben wir Soitec nach mehr als einem Jahr Pause wieder in die TEQ-Portfolios aufgenommen, sowohl im TEQ - Disruptive Technologies Fonds als auch im Small & Mid Cap Technologies Fonds. Ausschlaggebend ist aus unserer Sicht eine strukturell neue Wachstumsperspektive: Soitec entwickelt sich zu einem wichtigen Enabler der AI- und Data-Center-Infrastruktur, insbesondere über sogenannte Photonics-SOI-Wafer.
Warum Photonics für AI-Rechenzentren wichtig wird
Moderne AI-Rechenzentren bestehen aus zehntausenden GPUs und Beschleunigern, die enorme Datenmengen untereinander austauschen müssen. Je größer die Modelle und Cluster werden, desto stärker wird die Datenübertragung selbst zum Engpass. Elektrische Verbindungen stoßen bei Bandbreite, Energieverbrauch und Wärmeentwicklung zunehmend an Grenzen. Deshalb gewinnt optische Datenübertragung an Bedeutung: Daten werden über Licht statt nur über elektrische Signale übertragen.
Genau hier setzt Silicon Photonics an. Optische Komponenten wie Wellenleiter, Modulatoren und Detektoren werden auf Siliziumchips integriert und können dadurch in großen Stückzahlen mit etablierten Halbleiterprozessen hergestellt werden. Das macht die Technologie für AI-Cluster, optische Transceiver und perspektivisch Co-Packaged Optics besonders relevant.
Soitecs technologische Rolle
Soitec liefert eine zentrale Grundlage für diese Entwicklung: SOI-Wafer, also „Silicon on Insulator“-Substrate. Vereinfacht bestehen sie aus einer dünnen, hochwertigen Siliziumschicht, die durch eine isolierende Schicht vom darunterliegenden Silizium getrennt ist. Diese Struktur verbessert elektrische und optische Eigenschaften und ermöglicht besonders präzise Lichtführung auf dem Chip. Für Photonics-Anwendungen ist diese Materialqualität entscheidend, weil Verluste, Gleichmäßigkeit und Fertigungstoleranzen direkt darüber entscheiden, ob optische Schaltkreise effizient und skalierbar funktionieren.
Das Unternehmen hat sich über viele Jahre Know-how in diesen „Engineered Substrates“ aufgebaut und verfügt mit seiner Smart-Cut-Technologie über einen schwer kopierbaren Herstellungsprozess. In breiteren SOI-Märkten werden Soitec häufig Marktanteile von bis zu 70 Prozent zugeschrieben. Bei anspruchsvollen Photonics-SOI-Anwendungen scheint die Marktposition sogar noch konzentrierter zu sein.
Photonics als neuer Wachstumsmotor
Historisch war Soitec stark mit Smartphone-, Funk- und Automotive-Anwendungen verbunden. Diese Bereiche bleiben wichtig: RF-SOI wird weiterhin in Mobilfunkchips genutzt, Automotive-Anwendungen profitieren von Elektrifizierung und Leistungshalbleitern, und das Smartphone-Geschäft bleibt ein relevanter Umsatzanker. In den kommenden Jahren dürften diese Segmente jedoch bei den Wachstumsraten zunehmend von Photonics in den Schatten gestellt werden.
Der Grund ist die Dynamik im AI-Infrastrukturmarkt. Mit jeder neuen GPU-Generation steigen Bandbreite und Datenverkehr zwischen Chips, Servern und Racks. Gleichzeitig muss der Energieverbrauch pro übertragenem Bit sinken. Silicon Photonics kann hier helfen, weil optische Übertragung bei hohen Datenraten effizienter und skalierbarer sein kann. Soitec adressiert dabei nicht den gesamten Endmarkt, sondern den vorgelagerten Substratbereich. Genau diese Position kann attraktiv sein: Wenn mehrere Foundries, Komponentenhersteller und Systemanbieter auf Photonics setzen, profitiert der Lieferant des kritischen Ausgangsmaterials breit von der Entwicklung.
Investment Case
Die Wiederaufnahme der Position reflektiert unsere Einschätzung, dass der Markt Soitec zunehmend nicht mehr nur als zyklischen Smartphone-Zulieferer, sondern als strategischen Anbieter für AI-Infrastruktur bewerten wird. Die Kombination aus technologischer Führungsposition, hohen Marktanteilen, schwer replizierbarem Fertigungs-Know-how und neuen Wachstumstreibern im Bereich Silicon Photonics macht Soitec aus unserer Sicht wieder zu einem attraktiven Portfoliobaustein. Risiken bleiben, insbesondere Timing, Kundendiversifikation, Investitionszyklen und mögliche Übertreibungen bei Photonics-Erwartungen. Der strukturelle Hintergrund hat sich jedoch deutlich verbessert.